Childerich in der schriftlichen Überlieferung

Die Schriftquellen liefern nur spärliche Informationen zum fränkischen König Childerich, und ohne die Kenntnis seines Grabes wäre er wohl einer der »uninteressanteren« Kleinkönige dieser Zeit geblieben. Er stand zumindest zeitweise in römischem Dienst und kämpfte gegen die Westgoten, die ihr Reich im Südwesten Galliens errichtet hatten, aber auch gegen andere einfallende Kriegergruppen. Gregor von Tours beschreibt ein achtjähriges Exil Childerichs bei den Thüringern. Er hatte angefangen, die »Töchter der Franken zu missbrauchen«. Genaue Lebensdaten Childerichs sind nicht bekannt. Das liegt nicht nur an der lückenhaften schriftlichen Überlieferung. Man hatte im 5. Jahrhundert noch nicht mit einer Jahreszählung »nach Christi Geburt« begonnen, und die unter den römischen Kaisern übliche Datierung nach den amtierenden Konsuln war schon außer Gebrauch. Man datierte nach den Regierungsjahren eines Herrschers oder nach Bischofsjahren. Dies alles zu rekonstruieren und zu parallelisieren ist oftmals nicht möglich. So sind auch Childerichs Daten mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Das Todesjahr Childerichs wird im Allgemeinen in die Jahre 481/482 datiert, seine Geburt um 440.

Childerichs Aktionsraum war zwar nominell noch Teil des weströmischen Reiches, doch hatten die römischen Kaiser Gallien im 5. Jahrhundert faktisch bereits aufgegeben. Unterschiedliche Heerführer hatten daher genug Raum, dort ihre Herrschaftsgebiete zu installieren, teils mit römischer Zustimmung, teils ohne. In wechselnden Koalitionen führten sie Kriege gegeneinander; hinzu kamen Einfälle auswärtiger Heere und Kriegergruppen. Es herrschte Unsicherheit. Im Nordosten dieses relativ großen Raumes begrenzter Staatlichkeit lag die spätantike römische Provinz Belgica Secunda, die ungefähr dem Herrschaftsgebiet Childerichs entsprach.